12. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Heilende Erneuerung
Wochenspruch: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ Jesaja 42,3

Donnerstag: Markus 8,22-26

Das ist eine ganz ähnliche Geschichte wie Mk 7,31ff (Evangelium), insofern ist sie auch ähnlich zu verstehen. Wenn das aber in zwei aufeinander folgenden Kapiteln des Markusevangeliums erzählt wird, dann kommt es wohl besonders auf die Unterschiede an. Hier geht es nur um die Fähigkeit des Sehens, die diesem Blinden geschenkt wird. Hier beinhaltet das Zeichen einen Prozess: die Heilung vollzieht sich nicht ganz so spontan. Es gibt eine Phase im Prozess, wo der Blinde noch nicht recht zwischen Menschen und Bäumen unterscheiden kann. Wenn wir Menschen wie Bäume ansehen, dann sind sie für uns in erster Linie Objekte, deren Früchte wir ernten können, die wir für uns verarbeiten können oder die uns im Weg stehen und abgesägt werden können. Aber immerhin kommt schon die menschliche Besonderheit in den Blick, er sieht die Menschen überhaupt, und das ist schon etwas, und er sieht bereits, dass sie doch anders sind als Bäume. Nur kann man da noch nicht von vollzogener Heilung sprechen. Das Sehen muss sich noch qualitativ verändern. Das geschieht erst, wenn er die Menschen ansieht, wie sie sind, nicht mehr als Objekte, sondern intersubjektiv, von Angesicht zu Angesicht; wenn der Mitmensch als jeweils einzelner und einzigartiger sein Ansehen gewinnt.



E-Mail: info@isa-institut.de       Datum der letzten Änderung: 04.08.2018